Yoga

Yoga ist eine jahrtausendealte Tradition Indiens, die Körper, Geist und Bewusstsein erforscht und harmonisiert. Die Wurzeln des Yoga liegen in der tantrischen Tradition. Archäologische Funde im Indus-Tal zeigen Darstellungen von Shiva und Shakti, die als Parvati verkörpert wird.

  • Shiva repräsentiert das höhere Bewusstsein (Purusha) und gilt als Begründer des Yoga. 
  • Parvati, seine erste Schülerin, steht für Wissen, Willen und Umsetzung (Prakriti) sowie für die kosmische Energie (Kundalini Shakti). Sie ist verantwortlich für die Manifestation der Energie und die Weitergabe der Lehren über Yoga und Tantra. 

Yoga verbindet das individuelle Selbst mit dem universellen Bewusstsein, lenkt die manifeste Energie und ermöglicht die innere Transformation, bei der das persönliche Selbst mit dem höheren Bewusstsein verschmilzt.

(Die obigen Ausführungen zu Shiva und Parvati basieren auf den Lehren von Swami Sivananda)

 

Yoga, wie wir es kennen, stammt aus der über 10.000 Jahre alten Tradition des Tantra. Archäologische Funde im Indus-Tal im heutigen Pakistan zeigen Darstellungen von Shiva und Shakti in Form von Parvati.

Shiva repräsentiert das höhere Bewusstsein und wird in der Samkhya-Philosophie als Purusha bezeichnet. Er gilt als der Gründer von Yoga.

Parvati, seine erste Schülerin, repräsentiert das höhere Wissen, den Willen und dessen Umsetzung. In der Samkhya-Philosophie wird sie als Prakriti beschrieben. Sie ist verantwortlich für alle Schöpfungen und die kosmische Energie, die als Kundalini Shakti in allen Wesen bekannt ist. Parvati ist die Mutter des Universums, da sie die Verantwortung für die kosmische Energie trägt.

Durch ihre Liebe und ihr Mitgefühl für ihre Kinder teilt sie ihr Wissen über Erleuchtung und die Befreiung des Selbst in Form von Tantra (Expansion oder Befreiung).

Yoga ist die Wissenschaft über die Vergrösserung und Befreiung der manifesten Energie. Im tantrischen Kontext bedeutet dies, dass das persönliche Selbst tief mit dem Universum und dessen kosmischer Energie verbunden ist. Wenn es sich von den begrenzenden Formen und Namen löst, vereint es sich mit dem unpersönlichen Selbst, dem höheren Bewusstsein, und erfährt eine Erweiterung und Befreiung der Energie. Dies führt zur Erleuchtung, bei der das persönliche Selbst seine individuelle Identität aufgibt und vollständig mit dem unpersönlichen Selbst verschmilzt.

Hauptwege des Yoga

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Wege des Yoga herausgebildet:

  • Karma Yoga: selbstloses Handeln ohne Anhaftung an die Ergebnisse. 
  • Jnana Yoga: Selbsterkenntnis durch Wissen und Untersuchung der Natur des Selbst. 
  • Bhakti Yoga: Hingabe durch Liebe, Verehrung und Dienst am Göttlichen. 
  • Raja Yoga: geistige Disziplin und Meditation zur Kontrolle des Geistes; basiert auf den Yoga Sutras von Patanjali. 

Die vier Hauptwege des Yoga bieten unterschiedliche Zugänge zur Selbstverwirklichung, führen aber alle zur Einheit von individuellem und universellem Bewusstsein.

Man kann sich diese Wege vorstellen wie die Zweige eines Baumes, der aus den gemeinsamen Wurzeln des Yoga wächst. Ähnlich einem Banyanbaum, dessen Zweige sich aus den Wurzeln entwickeln und wiederum neue Wurzeln bilden, bietet jeder Pfad des Yoga einen einzigartigen Weg zur Erleuchtung, während sie alle aus derselben ursprünglichen Quelle hervorgehen.

Die Synthese der vier Hauptwege des Yoga ermöglicht es dem Suchenden, ein ausgewogenes spirituelles Leben zu führen. Indem man einen Pfad wählt, finden die anderen automatisch ihren Platz und unterstützen die spirituelle Entwicklung des Individuums. Letztendlich ist es der persönliche Weg jedes Einzelnen, der durch die Praktiken des Yoga geformt wird und ihnen ermöglicht, sich dem transzendenten Ziel der Selbstverwirklichung zu nähern.

Patanjali und Raja Yoga

Patanjali gilt als Vater des klassischen Yoga. Seine Yoga Sutras bilden die Grundlage des Raja Yoga, des königlichen Pfads des Yoga, der auf geistiger Disziplin und Meditation basiert.

Es ist ein integraler Weg zur Selbstverwirklichung, der die acht Glieder des Yoga (Ashtanga Yoga) umfasst, die als systematische Methode zur Überwindung des Geistes und der Befreiung des Selbst dienen. Das Ziel des Raja Yoga ist es, den Geist von Ablenkungen zu befreien und zu einem Zustand des inneren Friedens und der Erleuchtung zu gelangen, in dem das individuelle Selbst vollständig mit dem universellen Bewusstsein verschmilzt.

Ashtanga Yoga

1. Yama

  • Moralische und ethische Prinzipien oder Einschränkungen.
  • Zurückhaltung 
  • 5 NOT DO`S

I. AHIMSA (Gewaltlosigkeit)

  • Universelle Unschuld oder Verletzung keines Tierwesens!

II. SATYA (Wahrhaftigkeit)

  • Beachtung der Wahrheit!

III. ASTEYA (Nicht-Stehlen)

  • Vermeidung von Diebstahl oder Heimlichkeit!

IV. BRAHMACHARYA (Wandeln im Brahman, auch Zölibat/ Mässigung)

  • Bestehend aus der Reinheit und der Expansion des individuellen Selbst.

V. APARIGRAHA (Nicht-Anhaftung/ Nicht- Ergreifen)

  • Das Prinzip der Desinteresse an materiellen Gütern und emotionalen Bindungen, das zu innerer Freiheit und Ungebundenheit führt.

2. Niyama

  • Moralische Regeln!
  • Beobachtungen oder positive Pflichten
  • 5 DO`s

I. SAUCHA (Sauberkeit, Reinheit)

  • Persönliche Sauberkeit!

II. SANTOSHA (Zufriedenheit)

  • Freude!

III. TAPAS (Askese, Disziplin)

  • Hingabe einschließlich Selbstverleugnung und Selbstdemütigung!

IV. SVADHYAYA (Selbststudium)

  • Kenntnis der gesamten Natur!

V. ISHVARA PRANIDHANA (Hingabe an eine höhere Macht!)

  • Anbetung Gottes!

3. Asana

  • Körperhaltungen oder Posen
  • Entwicklung von körperlicher Stärke, Flexibilität und Gleichgewicht sowie Förderung einer stabilen und bequemen Sitzposition für die Meditation.

4. Pranayama

  • Atem- Energie- Kontrolle oder Regulation
  • Lenkung und Steuerung des Atems, um physisches und mentales Gleichgewicht zu erreichen, Vitalität zu fördern und die Konzentration zu steigern.
  • Regeln der Atmung, drei Arten, nämlich:
  • Rechaka: Exspiration oder Ausatmung.
  • Puraka: Inspiration oder Inhalation.
  • Kumbhaka: Unterdrückung der Atmung, acht Möglichkeiten.

5. Pratyahara

  • Zurückziehen der Sinne
  • Die Sinne auf vielfältige Weise von ihren Befriedigungen abhalten.
  • Lenkung der Aufmerksamkeit nach innen, weg von äußeren Reizen, um auf tiefere Meditationszustände vorzubereiten.

6. Dharana

  • Konzentration
  • Den Geist auf einen einzigen Punkt oder ein Objekt konzentrieren, um mentale Disziplin und Einpünktigkeit zu entwickeln.

7. Dhyana

  • Meditation
  • Entwicklung eines anhaltenden Zustands fokussierter Aufmerksamkeit, der zu einer tiefen meditativen Erfahrung führt.

8. Samadhi

  • Befreiung oder Erleuchtung
  • Erreichen eines Zustands der Vereinigung mit dem Göttlichen, in dem das individuelle Selbst mit dem universellen Bewusstsein verschmilzt.

Hatha Yoga

Hatha Yoga ist ein integraler Teil der Yogatradition und konzentriert sich auf die körperliche Praxis, um den Körper zu stärken und zu reinigen, um den Geist für die Meditation vorzubereiten. Hatha bedeutet Kraft oder Energie und setzt sich aus den Wörtern Ha (Sonne) und Tha (Mond) zusammen, was die Balance zwischen den gegensätzlichen Kräften im Körper symbolisiert.

Die Praxis des Hatha Yoga umfasst:

  • Asanas: Körperhaltungen für Stabilität, Flexibilität und Balance. 
  • Pranayama: Atemübungen zur Regulierung der Lebensenergie (Prana). 
  • Kriyas: Reinigungsübungen zur Harmonisierung des Körpers, zur Entgiftung und um den Energiefluss zu verbessern
  • Meditation und Entspannung: Vorbereitung des Geistes auf tiefere geistige Praxis und zur Förderung des inneren Friedens

Im Hatha Yoga wird besonderer Wert auf die Verbindung von Körper und Geist gelegt, wobei durch die körperliche Praxis die Energie im Körper ins Fliessen gebracht wird, was zu einer Vertiefung der meditativen Zustände führt. Hatha Yoga ist somit eine Grundlage für die Praxis des Raja Yoga und bietet eine physischen Vorbereitungsweg für tiefere Meditation.

Weitere Yoga-Stile

Yoga bietet eine Vielzahl von Wegen und Praktiken, die es den Menschen ermöglichen, ihre eigene spirituelle Reise zu gestalten. Jede Richtung hat ihren eigenen Fokus, aber alle führen letztlich zur Erkenntnis und zum Erleben der Einheit mit dem Universum. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele verschiedene Yoga-Stile und -Richtungen entwickelt, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte und Praktiken haben. Hier sind einige der bekanntesten:

Sivananda Yoga

Ganzheitlicher Ansatz, der Körper, Atem, Meditation und Lebensstil kombiniert, basierend auf 12 klassischen Asanas.

Vinyasa Yoga

Dynamische Form des Yoga, bei der Bewegung und Atem synchronisiert werden.

Ashtanga Yoga

Strukturiertes Yoga, bei dem Atem und Bewegung in einem festen, fließenden Rhythmus vereint werden.

Iyengar Yoga

Betonung auf Präzision und Ausrichtung der Körperhaltungen, oft mit Hilfsmitteln wie Blöcken und Gurten, um die Ausführung zu verbessern.

Bedeutung von Yoga & Meditation

(nach Ram Gupta, Meditationlehrer aus Rishikesh)

Yoga chitta-vritti-nirodhah

  • Yoga: das Wort stammt aus dem Sanskrit-Wort Yuj, was zu vereinen, zu verbinden bedeutet
  • Chitta: Geist / Bewusstsein
  • Vritti: Bewegungen / Aktivitäten / Modifikationen
  • Nirodhah: Zurückhalten / Kontrolle / Einschränkung

→ Yoga ist die Beherrschung der Modifikation des Geistes.

Sthira-sukham-asanam

  • Sthira: Stabilität / Festigkeit
  • Sukham: Leichtigkeit / Komfort / Behaglichkeit
  • Asanam: Sitzhaltung / Sitzposition

→ Die richtige Sitzhaltung ermöglicht Stabilität und Bequemlichkeit.

Tato dvandvanabhighatah

  • Tato: dann / daraufhin
  • Dvandva: Paare / Gegensätze
  • Anabhighatah: unberührt / unbeeinträchtigt

→ Man bleibt unbeeinträchtigt von den Paaren der Gegensätze.

Tasmin sati shvasa-prashvasayor gati-vicchedah pranayama

  • Tasmin: in diesem
  • Sati: bestehend, vorhanden
  • Svasa: Einatmung, Prashvasa: Ausatmung
  • Gati: Bewegung
  • Vicchedah: Kontrolle, Regulation
  • Pranayama: Regulierung von Prana

→ Pranayama bedeutet die Regulierung von Prana in einer sitzenden Haltung, der Atemfluss wird nach innen und aussen reguliert.

Desa-bandhas cittasya dharna

  • Desa: Ort
  • Bandha: Bindung, Festigkeit
  • Cittasya: des Geistes
  • Dharna: Konzentration / Fixierung

→ Wenn der Geist an einem Objekt stabil fixiert bleibt, entsteht Konzentration.

Tatra pratyayaikatanata dhyanam

  • Tatra: dabei
  • Pratyaya: Wissen
  • Ekatana: Einheit
  • Dhyanam: Meditation

→ Wenn das Bewusstsein unverändert beim Objekt verweilt, entsteht Meditation. Die Transformation von Dharna zu Dhyanam fördert Stabilität und Vertiefung des mentalen Zustands.

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